Der CO₂-Doc prüft www.amazon.de

Website-Audit

Bei 408 Millionen Besuchen im Monat wird jedes eingesparte Kilobyte auf amazon.de zu 147 Kilogramm CO₂. Der größte Onlineshop macht dabei vieles besser als gedacht, vor allem bei Bildern und Schriften. Wo trotzdem Tonnen liegen bleiben, zeigt dieses Audit.

Mit über 400 Millionen Besuchern pro Monat hat amazon.de einen großen Hebel beim Thema digitale Nachhaltigkeit: Jedes eingesparte Kilobyte reduziert den CO₂-Ausstoß pro Monat um satte 150 Kilogramm, bei amazon.com wäre es sogar fast eine Tonne. Und nebenbei würden die Core Web Vitals und die Ladezeit besser. Wie ich darauf komme und welche einfachen Maßnahmen sinnvoll wären, erkläre ich in dieser neuen Folge.

Shownotes:

Ein Kilobyte, 147 Kilogramm

Bei den meisten Websites lohnt es sich kaum, über ein einzelnes Kilobyte zu sprechen. Bei amazon.de schon. Die deutsche Seite hatte zum Zeitpunkt meiner Prüfung rund 408 Millionen Besuche im Monat. Rechnet man mit 360 Gramm CO₂ pro übertragenem Gigabyte, spart jedes Kilobyte weniger auf der Startseite rund 147 Kilogramm CO₂ im Monat. Bei amazon.com mit rund 2,55 Milliarden Besuchen wären es knapp eine Tonne. Das ist eine Überschlagsrechnung, aber sie zeigt den Hebel: Bei großen Seiten wird aus jeder Kleinigkeit eine relevante Menge.

Info
Die Prüfung stammt vom Oktober 2024 und betrachtet nur die Desktop-Startseite. Gerade bei einem Shop ändert sich die Seite ständig, je nach Region, Gerät und Tracking. Korrektur zur Folge: Im Audio nenne ich einen Umsatz von 575 Millionen Dollar für 2023. Richtig sind rund 575 Milliarden Dollar.

Was Amazon gut macht

Überraschend vieles. Die Startseite lud rund 90 Bilder mit zusammen nur rund 900 Kilobyte, im Schnitt also etwa 10 Kilobyte pro Bild. Es gab nur zwei Webschriften im modernen Format WOFF2 mit zusammen 35 Kilobyte. Davon können sich fast alle anderen Seiten eine Scheibe abschneiden. Dazu kamen keine automatisch startenden Videos, keine Audiodateien und keine eingebetteten Social-Media-Elemente. Im Website Carbon Calculator erreichte die Seite ein C, also ziemlich genau die Mitte der Skala.

Bei einem Shop ist das kein Zufall. Jede zusätzliche Zehntelsekunde Ladezeit kostet Bestellungen. Hier laufen Performance und Nachhaltigkeit ausnahmsweise in dieselbe Richtung.

Wo noch Luft ist

Trotzdem fand ich die üblichen Baustellen. Moderne Bildformate wie WebP oder AVIF nutzte Amazon gar nicht, dafür JPEG, PNG, GIF und sogar ICO. Allein PageSpeed Insights bezifferte das Einsparpotenzial durch moderne Bildformate auf 239 Kilobyte. Mit der Rechnung von oben wären das grob 35 Tonnen CO₂ im Monat, allein für die deutsche Startseite.

Dazu kamen fehlende Höhen- und Breitenangaben bei Bildern, nicht überall eingerichtetes Lazy Loading, Lücken bei den Caching-Regeln und eine Brotli-Komprimierung, die bei JavaScript und CSS nur teilweise aktiv war. Der HTML-Validator meldete 51 Fehler. Und der Green Web Check fand keinen Nachweis für grünes Hosting.

Tipp
Prüfe bei Deiner eigenen Website, ob der Server Text-Dateien mit Brotli komprimiert. In den Entwicklertools Deines Browsers siehst Du das im Reiter Netzwerk beim Antwort-Header content-encoding: br steht für Brotli, gzip für die ältere Methode.

Mehr Hardware ist keine Lösung

Mein wichtigster Gedanke aus diesem Audit geht über Amazon hinaus. Eine langsame Website lässt sich immer auch durch mehr Hardware schneller machen. Das bringt Tempo, kostet aber Strom und Ressourcen. Die technischen Optimierungen, die ich hier aufgezählt habe, bringen beides: eine schnellere Seite und weniger Emissionen. Und zumindest ein Teil davon ist mit wenig Aufwand umzusetzen.

Je größer eine Website ist, desto weniger ist ein eingespartes Kilobyte eine Kleinigkeit.