Der digitale Nachlass

Solofolge

Wir atmen im Jahr etwa so viel CO₂ aus, wie 3,65 Terabyte gespeicherte Daten verursachen. Nach unserem Tod hört das eine auf, das andere nicht. Wie Du Deinen digitalen Nachlass regelst und Deinen Angehörigen damit viel Ärger ersparst, erkläre ich in dieser Folge.

Auch nach unserem Tod bleiben viele Daten von uns im Internet erhalten. Ist das alles gewollt? Was soll weg? Wie kann ich das zu Lebzeiten regeln? Und wie erspare ich meiner Nachwelt unnötige Arbeit und letztlich auch CO₂-Emissionen? Um diese und weitere Fragen geht es in dieser Folge.

Shownotes:

Daten überleben uns

Ein Mensch atmet im Schnitt etwa ein Kilogramm CO₂ pro Tag aus, rund 365 Kilogramm im Jahr. Wenn wir sterben, endet das. Unsere Daten dagegen bleiben. Sie liegen weiter auf Servern, in Clouds und Postfächern, werden gesichert, gespiegelt und mit Strom versorgt. Mit meinem Faustwert von 100 Gramm CO₂ pro Gigabyte und Jahr entspricht der Atem eines Menschen etwa 3,65 Terabyte gespeicherter Daten. Das ist eine bewusst zugespitzte Überschlagsrechnung. Aber sie macht deutlich: Was wir digital hinterlassen, verursacht weiter Emissionen, ohne dass irgendjemand etwas davon hat.

Ich habe diese Folge bewusst in den November gelegt, den Monat, in dem wir traditionell an Verstorbene denken. Und ich gebe zu: Auch ich habe mich mit meinem eigenen digitalen Nachlass lange nur teilweise beschäftigt.

Erst die Inventur

Der wichtigste Schritt ist eine Liste. Welche Accounts gibt es? Wo liegen Fotos und Dokumente? Gibt es Websites, Social-Media-Profile, kostenpflichtige Abos? Die Passwörter müssen nicht auf dieser Liste stehen, aber Deine Angehörigen sollten wissen, was es gibt.

Am wichtigsten ist der Zugang zum Mailpostfach. Dort kommen Rechnungen an, dort lassen sich Abos kündigen und Konten zurücksetzen. Ohne Zugriff laufen Abos einfach weiter, und Angehörige verbringen Monate damit, unerklärliche Abbuchungen zu klären. Eine solche Liste kannst Du sicher hinterlegen, etwa mit dem Testament beim Notar.

Dazu kommt das Aufräumen zu Lebzeiten. Konten, die Du nicht mehr nutzt, kannst Du heute schon löschen, vorher lässt Du Dir Deine Daten zuschicken. Das reduziert Emissionen und gleichzeitig das Risiko, dass ein vergessenes Konto mit einem alten, schwachen Passwort gehackt wird.

Die Werkzeuge der Plattformen nutzen

Viele große Anbieter bieten inzwischen eigene Lösungen. Bei Google legst Du im Kontoinaktivitäts-Manager fest, wer nach einer bestimmten Zeit ohne Aktivität Zugriff bekommt oder ob das Konto gelöscht wird. Apple bietet einen Nachlasskontakt, Facebook einen Gedenkzustand. Wer diese Einstellungen einmal vornimmt, erspart den Angehörigen viel Arbeit.

Tipp
Richte heute bei Deinem wichtigsten Konto den Nachlass- oder Inaktivitätskontakt ein. Bei Google, Apple und Facebook dauert das jeweils nur wenige Minuten. Anleitungen für viele Plattformen findest Du auf der in den Shownotes verlinkten Seite digitalernachlass.net.

Was rechtlich gilt

Einiges ist inzwischen klarer, als viele denken. Online-Konten sind grundsätzlich vererbbar. Das hat der Bundesgerichtshof bereits 2018 im Fall eines Facebook-Kontos entschieden. Bei E-Books und digitalen Medien sieht es dagegen oft anders aus. Meist kaufst Du nur eine Nutzungslizenz, die nicht übertragbar ist.

Info
Aktualisierung: Seit Dezember 2023 löscht Google private Konten, die zwei Jahre lang nicht genutzt wurden. Das reduziert vergessene Daten, kann aber auch Erinnerungen löschen, die Angehörige gern behalten hätten. Ein Grund mehr, den Nachlass rechtzeitig zu regeln. Mehr zum Löschen ungenutzter Konten findest Du im Impuls Inaktive Accounts löschen.

Wer seine Eltern oder Großeltern unterstützen will, kann mit ihnen gemeinsam eine solche Liste anlegen und die Einstellungen vornehmen. Das ist kein leichtes Gespräch, aber eines, das später viel Ärger erspart.

Der letzte Dienst, den wir unseren Liebsten erweisen können, ist ein aufgeräumter digitaler Nachlass.