Green Washing erkennen (Impuls 18/24)

Green Washing ist sehr verbreitet, weil es in der Regel billiger und einfacher ist als CO₂-Ausstoß zu vermeiden. Man findet es bei Hostern, Anbietern von Siegeln und Unternehmen, die es zu Marketingzwecken einsetzen. Leider war die Rechtslage lange nicht eindeutig, aber die Green Claims Verordnung der EU könnte das bald ändern. Lerne vom Mindset des CO₂-Doc.
Shownotes:
Billiger als echte Veränderung
Greenwashing heißt, sich umweltfreundlicher darzustellen, als man ist. Es ist so weit verbreitet, weil es fast immer billiger ist, als die Ursache eines Problems zu beheben. Auch im Internet begegnet es Dir ständig, auf Websites, bei Hostern und vor allem in Form von Siegeln.
Ein Maßstab hilft schon viel. Zum Zeitpunkt der Folge wurde eine Tonne CO₂ im europäischen Emissionshandel für rund 70 bis 80 Euro gehandelt. Gleichzeitig gab es Baumpflanzprojekte, die eine Tonne für 2 Euro „ausgleichen“ wollten. Wer so günstig kompensiert, kauft vor allem ein gutes Gewissen.
Siegel und Versprechen prüfen
Mein erster Tipp: Schau Dir jedes Siegel genau an. Ein Hoster, der mit 100 Prozent Ökostrom wirbt, kann tatsächlich grünen Strom beziehen. Er kann aber auch nur bilanziell grün sein, also normalen Strom nutzen und dafür Zertifikate kaufen. Frag bei jedem Siegel: Wer prüft, nach welchen Kriterien, was kostet es? Eine reine Selbstauskunft reicht nicht.
Achte auch auf Interessenkonflikte. Es gibt Webagenturen, die eigene Nachhaltigkeitssiegel erfinden, und Kompensationsanbieter, die Siegel nutzen, um ihre Produkte zu verkaufen. Besonders problematisch sind Siegel, die Du ohne jede Reduktion bekommst, nur gegen eine Ausgleichszahlung, im schlimmsten Fall für Projekte ohne Wirkung.
Testen und nachfragen
Mein zweiter Tipp: Prüf die Behauptungen selbst. Wenn ein Unternehmen verspricht, überall maximal auf die Umwelt zu achten, und die Startseite bekommt im Website Carbon Calculator nur ein F oder ist laut Green Web Check nicht grün gehostet, dann passt etwas nicht zusammen. Frag nach. Unternehmen reagieren auf solche Fragen oft überraschend schnell, gerade weil sie selten gestellt werden.
Mein dritter Tipp betrifft die Sprache. Begriffe wie klimaneutral oder klimapositiv sind ein starkes Warnsignal. Gerichte haben schon mehrfach entschieden, dass sie ohne klare Erklärung nicht zulässig sind.
Dein eigener Maßstab
Am Ende hilft vor allem eine klare eigene Haltung. Was ist für Dich grün? Für mich sind es Wasserkraft, Sonne und Biomasse. Kompensation gehört für mich nicht dazu, und Atomkraft auch nicht.
Wer Emissionen wirklich senkt, braucht kein Siegel, sondern kann Zahlen zeigen.