Downloads und Druck ressourcenschonend gestalten

Ein PDF ist die einzige Datei im Web, die man vollständig herunterlädt, um eine einzige Seite daraus zu lesen. Eine vierseitige Preisliste als PDF kommt schnell auf 3 MB, weil Schriften eingebettet und Bilder in Druckauflösung enthalten sind. Dieselben Informationen als HTML-Seite wiegen rund 50 KB. Das ist der Faktor 60, und er fällt bei jedem einzelnen Abruf an. Dazu kommt ein Effekt, den niemand einrechnet: Ein PDF wird nicht selten ausgedruckt, weil es auf dem Telefon unlesbar ist. Guideline 2.13 fasst deshalb zusammen, was sonst getrennt behandelt wird: Downloads und Papier.

Info

Die vier Erfolgskriterien von Guideline 2.13

Gedruckte Dokumente: Gestalte Arbeitsabläufe so, dass möglichst wenig Papierdokumente nötig sind. Wo Papier notwendig ist, senke den Verbrauch durch effiziente Drucklayouts und eine geringe Seitenzahl. Binde Druck-Stylesheets ein und teste sie mit echten Inhalten. Fördere digitale Formate statt Ablage und Archivierung auf Papier.

Optimierte Dokumente: Optimiere und komprimiere herunterladbare Dokumente, stelle sie in zugänglichen Formaten bereit, die unterschiedlichen Nutzerbedürfnissen gerecht werden, und bevorzuge offene, breit unterstützte Formate wie HTML gegenüber proprietären Dateiformaten.

Optimierte Auslieferung: Vermeide doppelte Arbeit. Wird ein Dokument mehrfach genutzt, erzeuge und speichere es einmal auf dem Server, damit es effizient wiederverwendet werden kann, vorzugsweise auf einer cookiefreien Domain.

Kennzeichnung und Auswahl: Zeige Nutzern vor dem Download Name, Format, Größe und eine kurze Zusammenfassung des Dokuments. Lass sie Format und Sprache wählen, die zu ihnen passen. Vermeide es, Dokumente direkt in Seiten einzubetten, und biete stattdessen Links zum Herunterladen oder zur Ansicht im Browser an.

Meine Einordnung

Das zweite Kriterium nennt HTML ausdrücklich als bevorzugtes Format. Das ist ungewöhnlich deutlich für einen Standard, und ich halte es für richtig. HTML ist responsiv, durchsuchbar, verlinkbar, für Screenreader zugänglich, es lässt sich in Teilen laden und es lässt sich aktualisieren, ohne dass jemand eine veraltete Kopie auf dem Rechner behält. Ein PDF kann davon nichts.

Auf datensm.art gibt es deshalb keine PDF-Downloads. Alles, was Inhalt ist, ist eine Seite. Das ist bequemer für mich und sparsamer für alle anderen. In Projekten, in denen PDFs unvermeidbar sind, etwa bei Formularen mit Rechtscharakter oder bei Dokumenten, die genau so gedruckt werden müssen, gilt das vierte Kriterium umso mehr: Größe, Format und Umfang gehören vor den Link. Ich schreibe die Dateigröße in Megabyte dazu, und bei Videos ergänze ich die Auflösung. Wer auf dem Mobilfunknetz unterwegs ist, trifft dann eine informierte Entscheidung statt einer überraschten.

Das erste Kriterium wird fast überall ignoriert. Ein Druck-Stylesheet kostet wenige Zeilen und spart pro Ausdruck regelmäßig ein bis zwei Blatt Papier, weil Navigation, Seitenleisten und Fußzeilen wegfallen. Und es löst ein zweites Problem: Ein gedruckter Link ist ohne seine Adresse wertlos.

@media print {
  nav, aside, footer, .no-print { display: none; }
  a[href^="http"]::after { content: " (" attr(href) ")"; font-size: 90%; }
  body { font-size: 11pt; color: #000; background: #fff; }
}

Getestet wird das mit echten Inhalten, wie es die Guideline verlangt, nicht mit einer leeren Beispielseite.

Wo ich weiter gehe

Beim dritten Kriterium widerspreche ich in einem Detail. Die Empfehlung, Dokumente auf einer cookiefreien Domain auszuliefern, stammt aus einer Zeit, in der Browser bei jeder Anfrage sämtliche Cookies der Domain mitschickten und Verbindungen teuer waren. Heute handelst Du Dir mit einer zweiten Domain eine zusätzliche Namensauflösung und einen zusätzlichen Verbindungsaufbau ein, was den Vorteil oft auffrisst.

Der bessere Weg ist derselbe wie an so vielen Stellen: gar keine Cookies setzen, die nicht gebraucht werden. Dann ist jede Domain cookiefrei, und Du sparst Dir die Sonderkonstruktion.

Wichtiger ist ohnehin ein Punkt, den die Guideline nur streift.

Achtung
PDFs veralten unbemerkt und plaudern. Sie werden von Suchmaschinen indexiert und noch Jahre später gefunden, auch wenn die Preise längst andere sind. Und sie enthalten Metadaten: Name des Erstellers, verwendete Software, teilweise interne Dateipfade oder Kommentare aus dem Bearbeitungsprozess. Wer PDFs veröffentlicht, braucht dafür dieselben Löschfristen und dieselbe Sorgfalt wie für Daten, und sollte die Metadaten vor der Veröffentlichung entfernen.

Meine Reihenfolge lautet deshalb: Kann der Inhalt eine HTML-Seite sein? Wenn ja, wird er eine. Wenn nein, wird das PDF komprimiert, mit Größenangabe verlinkt, mit einer Löschfrist versehen und von Metadaten befreit. Und eingebettet wird es nie, denn eine eingebettete Vorschau lädt die gesamte Datei bei jedem Seitenaufruf, auch für die Besucher, die sie gar nicht sehen wollten.

Dein erster Schritt heute

Zwei Aufgaben, beide überschaubar.

Tipp
Durchsuche Deine Website nach Links auf PDF-Dateien und sortiere sie nach Größe. Bei jeder Datei über 1 MB stellst Du zwei Fragen: Könnte das eine normale Seite sein? Und steht die Größe am Link? Ergänze anschließend Dein Stylesheet um einen Druckbereich und drucke Deine wichtigste Seite testweise in eine Datei. Meist siehst Du sofort ein bis zwei Seiten, die niemand braucht.

Wenn Du Videos anbietest, ergänze neben der Auflösung auch das ungefähre Datenvolumen. Diese eine Zeile verschiebt die Entscheidung dorthin, wo sie hingehört: zu der Person, die das Datenvolumen bezahlt.

Ein Dokument, das man im Browser lesen kann, muss niemand herunterladen.

Quelle: W3C-Fassung von Guideline 2.13